Albert, ein sehr guter Freund, ein liebenswerter Mensch und engagierter Tierschützer, fragte mich, ob ich einen blinden Hund aufnehmen würde, da ich Erfahrung mit solchen Hunden habe. Er sagte, er würde alles übernehmen – den Hund, den Transport, sämtliche Kosten. Hauptsache, der Hund bekäme eine Chance.
Ich musste keine Sekunde überlegen. Albert hat schon so viel für mich und für notleidende Tiere getan.
Ich durfte Fotos sehen und fand sie wunderschön. Das fällt mir nicht schwer, denn ich entdecke in jedem Hund etwas Besonderes. Allerdings gab es einen kleinen Haken: Auf einigen Bildern war noch ein weiterer Hund zu sehen. Die meisten Fotos stammten von einer Untersuchung in der Klinik, wo die Hunde wegen ihrer Augen behandelt wurden. Also fragte ich nach, wer der zweite Hund sei. Die Antwort lautete: die Schwester von Ruby.
Paula – sie lebt heute bei uns – ist nicht vollständig blind, aber stark sehbehindert. Sie sieht etwa zehn Prozent.
Für mich war klar: Ich kann nicht einen Hund aufnehmen und den anderen zurücklassen. Das ging einfach nicht. Also sagte ich für beide zu.
Leider, leider wurde trotz meiner mehrfachen Bitte nicht schnell genug gehandelt. Immer wieder habe ich betont, dass der blinde Hund so rasch wie möglich aus dem Gehege herausgenommen werden müsse, weil er in akuter Gefahr sei. Doch niemand wollte wirklich hören. Ich habe mehrfach Druck gemacht, denn durch mein Zusammenleben mit vielen Hunden weiß ich: Hat ein Hund ein offensichtliches Manko, kann das im Rudel fatale Folgen haben. Hunde sind nicht nur lieb, sondern es bleiben Hunde und sie töten vor allem im Rudelverhalten, um Ressourcen wie Futter, Spielzeug, bei einem Epilepsieanfall, gewisse Schreie/Laute können auch einen Ausschlag sein, etc….
Ruby wurde totgebissen.
Ich war unendlich traurig und auch wütend. Tief in mir hatte ich gespürt, was geschehen könnte – und leider ist genau das eingetroffen.
Liebe Ruby,
es war uns nicht vergönnt, uns auf Erden kennenzulernen. Es wird einfach ein wenig später sein – und ich freue mich darauf. 🤍