Lilly, die auch „Leni“ genannt wird, stammt aus einer Tötungsstation in Ungarn. Ihr Zustand war völlig verwahrlost. Zum Glück durfte sie die Tötungsstation verlassen und fand Zuflucht im Tierheim „Hundehilfe Nordbalaton“, von wo sie zu mir auf die Pflegestelle kam. Ursprünglich sollte sie über die Hundehilfe Nordbalaton vermittelt werden, doch Leni entpuppte sich als ein sehr herausfordernder Hund, der nicht in die enge Zivilisation passt. Eine Vermittlung wäre sowohl für den Menschen als auch für den Hund eine Tortur. Oft unterschätzen wir, was Hunde durchgemacht haben; bestimmte Verhaltensweisen sind tief verwurzelt und lassen sich nicht einfach ablegen, da das Trauma so tief sitzt. Pflegeplätze wie unserer sind genau dafür gedacht, solche Hunde aufzunehmen, damit diese Seelen trotzdem ein schönes Leben führen können, ohne in ein Korsett gezwängt zu werden, das ein Hund in der „sogenannten“ zivilisierten Gesellschaft tragen muss.
Nun aber zu Lenis Charakter. Ich beginne mit den schönen und liebenswerten Eigenschaften. Im Haus verhält sie sich vorbildlich – sie ist ein netter und liebevoller Hund. Gerne kommt sie zum Schmusen und genießt es, wenn man sie streichelt und knuddelt. Sie hat ein erstaunlich dichtes Fell, das geschnitten und geschoren werden muss. Ich mache das selbst, und danach ist sie wunderbar weich und flauschig – eine wahre Freude, sie zu berühren! Ihre großen, liebenswerten, runden Augen sind einfach bezaubernd! Während ich dies schreibe, liegt sie mit Joscha im Bett und leckt ihm liebevoll über das Ohr. Joscha genießt es sehr!
Leni spielt sehr gerne mit den anderen Hunden und ist dabei durchaus freundlich. Allerdings kann sie manchmal auch recht grob sein. Aufgrund ihres ausgeprägten Unterbisses kommt es häufig vor, dass andere Hunde beim Spielen „schreien“. Ich vermute, dass dies an ihrem Unterbiss liegt, denn wenn sie im Spiel leicht mit den Zähnen zudrückt, ist es für den anderen Hund schmerzhaft. Größere Hunde reagieren manchmal aggressiv auf dieses Verhalten, weshalb ich stets ein Auge darauf haben muss, während Leni spielt.
Sie hat eine Menge Energie und walzt alles nieder, was ihr in den Weg kommt. Leider hat Leni, aus welchen Gründen auch immer, nicht gelernt, vor anderen Hunden oder Menschen Respekt zu zeigen. Sie rempelt alles an, was ihr in den Weg kommt. Ich weiß nicht, warum sie so ist, aber es kann mühsam und auch ein wenig gefährlich für sie sein, da andere Hunde dieses Verhalten nicht immer akzeptieren – und das zu Recht. Gelegentlich gibt es Zoff, und wer ist dann mit von der Partie? Natürlich Leni!
Eine große Herausforderung besteht auch darin, dass sie beim Spazierengehen außerhalb des Grundstücks, egal ob Mensch, Fahrrad oder Traktor, nach vorne schießt und angreifen will. Die Leine spannt sich straff, und sie bellt wie verrückt. Ich kenne sie mittlerweile recht gut und bin vorbereitet. Solche Hunde kommen nun einmal aus dem Tierschutz, und nur wenige Menschen sind bereit, sich solchen großen Herausforderungen zu stellen.
Meine Hoffnung ist, dass sie in zwei oder drei Jahren etwas ruhiger wird. Um ihre Energie abzubauen, nehme ich sie oft mit dem E-Scooter mit. Danach ist sie erschöpft, aber sie liebt es und macht toll mit, obwohl sie an der kurzen Leine neben mir traben muss. Mit Sicherheit wird sie sich noch entwickeln und dazulernen, sicherlich zum Positiven. Es braucht einfach Zeit, Liebe, aber auch Konsequenz und Reflexion meinerseits.
Gerne berichte ich dir, liebe Martina, monatlich von deinem Patenhund. Ich bin dir sehr dankbar für deine Unterstützung – sowohl finanziell als auch emotional!