Lola kommt aus einer Beschlagnahmung. Sie lebte zuvor bei einem Alkoholiker, und bis eine solche Beschlagnahmung in Ungarn bewilligt wird, vergeht viel Zeit – man kann sich vorstellen, wie schwierig und langwierig das ist. Lola kam ins Tierheim Bogáncs und wurde zunächst im Innenraum, im Duschraum, untergebracht. Die Innenplätze für die Hunde sind dort ständig überfüllt, jeder Quadratzentimeter wird genutzt, um noch irgendwo einen Hund unterzubringen.
Sie kläffte ununterbrochen, und es war kaum möglich, ein Gespräch zu führen. Es tat mir so leid um sie – und da ich sie zudem sehr hübsch fand, nahm ich sie mit zu mir.
Lola hat sich gut eingelebt, doch sie ist ein Hund mit einer besonderen, eigenen Art. Sie ist unsicher und hat Ängste. Ich kann sie nicht bei Pasquale lassen, wenn ich in die Schweiz fahre. Deshalb darf sie immer mitkommen – für uns beide die beste Lösung. Sie hat Angst vor ihm, und ich möchte ihr diese Stresssituation ersparen, gleichzeitig soll auch Pasquale in Ruhe bleiben. Ihr ununterbrochenes Bellen erfordert Nerven aus Drahtseilen.
Auch in der Schweiz zeigt Lola, dass sie besondere Bedürfnisse hat. Wenn ich einmal eine Besorgung machen muss und sie nicht mitkommen kann, kläfft sie ununterbrochen, sitzt geduldig vor der Haustür und wartet, bis ich zurück bin. Erst dann beruhigt sie sich. Dieses Verhalten ist anstrengend, aber es zeigt auch, wie tief das Vertrauen und die Bindung zu mir reicht. Lola ist einfach nicht vermittelbar – ihr Trauma sitzt zu tief.
Wir haben, auf Anraten eines Hundetrainers, auch versucht, dass Pasquale sie füttert und langsam Nähe aufbaut. Doch es war aussichtslos. Fremde Männer, die sanft und ruhig auf sie zugehen, können einen vorsichtigen Kontakt herstellen – aber Pasquale schafft es nicht.
Meine mittlere Tochter ist oft hier in Ungarn und hilft bei der Arbeit mit den Tieren und auf dem Hof. Lola hat zu ihr Vertrauen gefasst und freut sich jedes Mal, wenn sie kommt. Abgesehen davon ist Lola eine liebe, lebensfrohe Hündin, die mit den anderen Hunden gut zurechtkommt. Besonders schön ist, dass sie mit Moritz, unserem „Spinner“-Hund, spielt. Manchmal zeigt sie ihre pure Lebensfreude, indem sie alleine ihre Runden dreht und einfach Hund sein darf.
Lola gehorcht sehr gut, kann ohne Leine laufen und ist beim E-Scooter problemlos mit der schnellsten Gruppe unterwegs. Sie ist voller Energie, sehr fit und meistert auch die zehnstündige Autofahrt in die Schweiz ohne Probleme. Dann sitzt sie auf dem Vordersitz – still, treu und aufmerksam – meine treue Partnerin auf vier Pfoten.
Für Lola suche ich keine Patenschaft, denn sie ist quasi immer bei mir und auf ihre Weise einfach „mein“ Hund. Natürlich ist das bei den anderen Hunden ähnlich, aber da Lola ständig zwischen Ungarn und der Schweiz mit mir pendelt, ist es noch einmal etwas Besonderes.
Ich wollte ihre Geschichte dennoch erzählen, weil sie zeigt, wie einzigartig, eigenständig und lebensfroh Lola ist – trotz aller Ängste, Herausforderungen und ihrer Vergangenheit. Sie ist ein kleiner Wirbelwind mit einem großen Herz.